12.12.2014

„Öffentliche Defis können Leben retten“

Pressekonferenz zum 1. Nationalen Arbeitstreffen PAD

Droht ein „plötzlicher Herztod“, ist schnelles Eingreifen erforderlich. Bei Herzkammerflimmern bedeutet das: eine frühestmögliche Defibrillation parallel zu einer Herz-Lungen-Wiederbelebung. In Köln fand am 12.12.2014 das 1. Nationale Arbeitstreffen PAD (Public-Access-Defibrillation) statt. Hier diskutierten Vertreter aus Politik, Wirtschaft, Medizintechnik und Wissenschaft über öffentlich zugängliche Defibrillatoren und wie sie eingesetzt werden müssen, um Leben retten zu können.

„Viele Studien zeigen, dass eine frühzeitige Defibrillation die Überlebensraten bei Kreislaufstillstand verbessert; selbst wenn der Zeitvorteil nur gering ausfällt. Jede ungenutzt verflossene Minute schmälert die Überlebenschance“, so Prof. Dr. Stephan Baldus, Direktor Klinik III Innere Medizin, Herzzentrum Uniklinik Köln, zu Beginn der Pressekonferenz.

Bei der Defibrillation verabreicht man den Betroffenen mit einem Elektroschockgerät (dem Defibrillator, kurz: Defi) über Elektroden an der Brust einen Strom- beziehungsweise Spannungsimpuls.  Dieser soll den plötzlichen Herztod verhindern, indem er die elektrische Aktivität des Herzens neu ausrichtet und so das Herz dazu bringt, wieder normal zu schlagen. Mittlerweile sind solche Geräte so konstruiert, dass sie auch von Laien bedient werden können.

„Im Kölner Stadtgebiet werden pro Jahr durchschnittlich 1.500-2.000 Personen ohne Puls aufgefunden. Zehn bis fünfzehn Prozent dieser Fälle ereignen sich im öffentlichen Raum – also auf der Straße, in Verkehrsknotenpunkten oder auf öffentlichen Plätzen. Diese Menschen profitieren dementsprechend direkt von öffentlich zugänglichen Defibrillatoren“, so Prof. Baldus.

Aber: Eine schnelle Reanimation und Defibrillation gehe deutlich über rein medizinische Belange hinaus – die gesamte Gesellschaft und die Politik seien mit gefordert: „Öffentliche Defis können Leben retten. Aber: das Gerät an der Wand alleine hilft nicht. Die Bevölkerung muss ausreichend geschult sein, wissen, wo Defis verfügbar sind und – vielleicht das Wichtigste – man muss dauerhaft sensibilisiert bleiben, damit im Notfall auch geholfen wird“, so Prof. Baldus zusammenfassend.

Entscheidend ist vor allem die Einstellung des Passanten, der die Situation beobachtet. Hier gibt es immer wieder Bedenken, dass man etwas falsch machen kann, oder dass man für eventuelle Fehler haftbar gemacht wird. Hierzu sprach auf der Pressekonferenz Janet Wigge vom Lehrstuhl für Öffentliches Recht, Universität Augsburg: „Das Wichtigste zuerst: Man kann aus juristischer Sicht bei der Anwendung eines Defis nichts falsch machen. Man muss sich schlicht vor Augen führen, was passiert, wenn man nicht handelt. In den meisten Fällen würde der Patient dann schlicht sterben. Gemessen daran ist eine gebrochene Rippe ein hinnehmbares Übel. Juristisch betrachtet, handelt es sich also um eine schlichte Güterabwägung.“

Des Weiteren hält sich hartnäckig das Gerücht, dass Ersthelfer – für den Fall, dass sie Fehler machen – belangt werden können. Dem trat Janet Wigge entgegen: „Belangt werden kann der Ersthelfer grundsätzlich nicht. Mit anderen Worten: solange der Laie nicht vorsätzlich oder in höchstem Maße fahrlässig handelt, zum Beispiel die Elektroden an den Kopf statt an die Brust anlegt, haftet er dem Geretteten später nicht wegen eventuell entstandener Schäden. Angesichts der besonderen Dringlichkeit der Gefahr und fehlender Überlegungszeit privilegiert unsere Rechtsordnung den Laien in höchstem Maße.“

Der Schulausschuss der Kultusministerkonferenz hat im Sommer 2014 die Empfehlung ausgesprochen, dass Kinder und Jugendliche an Deutschlands Schulen in Zukunft von der siebten Klasse an jedes Jahr zwei Stunden Wiederbelebungstraining erhalten sollen. Aktuell arbeitet jedes Bundesland an der jeweiligen Umsetzung.

„Wir in Hamburg haben dazu ein Pilotprojekt durchgeführt, wobei Schüler von Schüler trainiert werden. Das ist eine Möglichkeit, den Stoff zu vermitteln. Unsere Erfahrungen damit waren gut. Das Thema stößt auf eine große Akzeptanz bei den Schülern“, berichtete Beate Proll vom Landesinstitut für Lehrerbildung und Schulentwicklung aus Hamburg.

Die Erfahrungen zeigten aber auch, dass es nicht nur um das Erlernen von medizinischem Wissen gehe. Beate Proll: „Das Thema Wiederbelebung und Defibrillation kann gut zur Selbststärkung der Schüler beitragen. Sie erleben sich als handelnde Person, sie lernen Techniken, die schlussendlich anderen Menschen das Leben retten können.“

Für Rückfragen:

Christoph Wanko
Pressesprecher Uniklinik Köln
Stabsabteilung Unternehmenskommunikation und Marketing
Telefon: +49 221 478-5548
E-Mail: presse@uk-koeln.de

Pressemitteilung "Pressekonferenz zum 1. Nationalen Arbeitstreffen PAD" als pdf-Download

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